Online-Studium und kein Ende in Sicht – ein Kommentar

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Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hat die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) auch dieses Sommersemester erneut Vorlesungen ausschließlich online stattfinden lassen. Sie können sich vorstellen, dass das bei vielen Studierenden auf Unverständnis stößt, da die Einschränkungen des normalen gesellschaftlichen Lebens fast vollständig zurückgenommen  wurden. Ebenso ist vor allem anzumerken, dass andere Studierende in der ganzen Stadt wieder ihrem normalen Studentenleben nachgehen können und sich an den Campus befinden.

Wir Studierenden der TiHo sitzen weiterhin in unseren WG-Zimmern fest, jegliche Vermischung zwischen den Semestern und studentische Veranstaltungen werden stark eingeschränkt.

 

Es ist schwer zu ertragen, dass man seiner Hauptbeschäftigung, dem Studium, nicht in vollem Umfang nachgehen kann, während das gesellschaftliche Leben im vollen Gange ist. Gerade wir Tiermedizinstudierende sehen darin eine Gefährdung unserer praktischen Ausbildung und zukünftigen Berufsausübung. Besonders auch im Hinblick auf Differenzen zwischen den Jahrgängen und im Vergleich mit den anderen veterinärmedizinischen Fakultäten, die meist bereits wieder in vollen Kapazitäten am Campus  lernen dürfen.

 

Vielen geht es, auch durch die fehlende Vernetzung untereinander und das dauerhafte leben und lernen von zuhause aus, psychisch im fünften Onlinesemester nicht gut.

Der fehlende Austausch und das damit wegfallende soziale Netz, was einen durch das Studium trägt, ist nach fünf Semestern Onlinelehre meist nicht mehr gut aufgespannt. Die ptb (Psychisch Therapeutische Beratung des Studierendenwerks Hannover) berichtet immer noch von hohen Anfragezahlen und Überlastung.

 

Die TiHo stellt sich mit ihren Einschränkungen immer noch hinter das Argument, dass sie die Kliniken und Institute am Laufen halten müssen. So verständlich dieses Argument auch ist, so mussten sich auch andere Standorte mit dieser Problematik auseinandersetzen und konnten ihren Studierenden trotzdem wieder Präsenzlehre anbieten. Warum ist es bei uns anders?

 

Sollte die TiHo diesbezüglich personelle strukturelle Probleme haben, kann dieses Problem nicht auf uns Studierende abgewälzt werden und zu Kosten unserer Lehre gehen. Eine Hochschule hat vorrangig einen Bildungsauftrag und daraus ergibt sich erst die Legitimation als solche. Lehre darf nicht durch Priorisierung von Forschung und Dienstleistungen hinten angestellt werden.

 

Bislang haben unsere Bemühungen leider nicht gefruchtet, obwohl sich unsere Forderungen auf Umfragen zu Beginn dieses Semesters stützen.

Wir werden von unserer  Uni in dieser Ohnmacht gehalten, die unsere Beschwerden und Sorgen nicht ernst zunehmen scheint, und wir fragen uns, an wen wir uns noch wenden können.

Die hochschulpolitisch korrekten Kanäle verlaufen immer wieder im Sande und alles, was wir nach über einem Jahr bekommen, ist die Zusage, man würde wieder auf Präsenzlehre im Wintersemester umsteigen, sollte der Pandemiefall dies zulassen.

Die Rahmenbedingungen sind nicht genau definiert und ein Plan B wird mit reiner Online- Lehre vorgestellt. Nach zwei Jahren Pandemie wissen wir alle, dass diese unberechenbar ist, wir aber mit ihr leben können und müssen. Grade als Tierärzt:innen von morgen finden wir es unfair, das Verantwortungsbewusstsein abgesprochen zu bekommen, am Campus unserer Ausbildung nachzugehen, wo doch eben dieses für den späteren Beruf Voraussetzung ist. Warum dieses nicht jetzt schon praktizieren?

 

Die TiHo hat bereits Hörsäle mit den nötigen technischen Voraussetzungen für eine Hybridlehre (Vorlesungen im Hörsaal und von zu Hause zuschalten) ausgestattet, sträubt sich allerdings dagegen die Planung und Schulung der Dozierenden für diese anzugehen.

Wir sind aber darauf angewiesen, dass die Planung die Hybridlehre berücksichtigt, da uns die Zeit gegeben werden muss, ggf. zwischen der Uni und Zuhause für Online-Vorlesungen zu wechseln und wir im Winter wahrscheinlich wieder mit Einschränkungen rechnen müssen.

 

Wir wollen nicht noch ein Semester nur vereinzelt für Übungen zur Uni gehen, wir wollen wieder am Campus stattfinden.

Videos, Online- Vorlesungen und Chatforen können einen persönlichen Austausch und das Lernen an der Uni nicht ersetzen. Auch die zwischenmenschlichen Soft Skills, die normalerweise im Studium ganz natürlich erworben werden und später von enormer Wichtigkeit sind, fallen weg.

 

Wir genießen, aus unserer Sicht, momentan keine studierendenfreundliche Lehre an der TiHo. Es ist im Interesse aller, dass wir als psychisch gesunde Tierärzt:innen in ein Arbeitsleben starten und auch in unseren klinischen Tätigkeiten gut aufgestellt sind.

 

Unsere Anmerkungen werden nicht berücksichtigt, als wären wir nicht ebenfalls vollwertige Erwachsene.

Immer wieder werden wir mit Floskeln und haltlosen Aussagen abgewiesen.

Weil wir “nur” Studierende sind?

Weil wir uns gegen die Entscheidungen aussprechen, die das Präsidium trifft?

Weil Studierende kein Geld einbringen, die Kliniken und Institute aber schon?

Unterstützen Sie uns, teilen Sie dem Präsidium Ihre Meinung mit, schreiben Sie kritische Worte.

Vielleicht hört die TiHo auf Tierärzte mit abgeschlossener Ausbildung.

 

AG Hybridveranstaltungen (hannover@bvvd.de)

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